Hilfe – ich laufe aus!

So stoppen Sie überstarke Regelblutungen

Übermäßig starke Regelblutungen sind ein Problem, unter dem viele Frauen leiden. Und dabei ist es nicht nur die Belästigung durch ständiges Wechseln von Binden oder Tampons, durch ein ständig „unsauberes“ Gefühl oder den Badeurlaub, den man für eine Woche vergessen kann. Auch der mit der Periode verbundene hohe Blutverlust kann Probleme machen. Als überstarke Regelblutung gilt übrigens eine Blutung, bei der man ab 6x täglich die Binde oder den Tampon wechseln muss.

Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Atemnot und Schweißausbrüche schon bei kleineren Anstrengungen wie Treppensteigen können ein Hinweis auf einen Blutmangel (Anämie) sein, der als Folge der starken Blutungen auftreten kann. Immer wieder schicken mir die Hausärzte Patientinnen zur Abklärung von Blutarmut. Und in fast allen Fällen finde ich bei Frauen vor den Wechseljahren eine überstarke Regelblutung als Ursache.

Früher war das Problem schnell gelöst: Gebärmutter raus – fertig, also eine OP. Das hatte seine Gründe. Lange Zeit gab es außerhalb von Universitäten überhaupt keine Frauenärzte. Vielleicht wissen Sie, dass ich ein paar Jahre im Kreiskrankenhaus Kirchheim gearbeitet habe. Der erste Chefarzt der dortigen Frauenklinik war Dr. Pleil. Er selbst war eigentlich Chirurg, der sich irgendwann auf Frauenkrankheiten und Geburtshilfe spezialisiert hatte. Bei Problemen denkt ein Chirurg als erstes an – natürliche Behandlungsmethoden oder Medikamente? Nein, natürlich nicht! Er denkt an sein OP-Messer. Und eine Operation kann bei starken Regelblutungen auch durchaus einmal eine Alternative sein. Vor allem, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft oder gar nicht erwünscht sind.

Doch aufgrund der Risiken, die auch diese Operation birgt und der möglichen Langzeitnebenwirkungen (Senkung der Restscheide, Harnverlust), wäre das für mich persönlich eher die letzte aller Alternativen. Heute gibt es wesentlich elegantere Behandlungsmöglichkeiten, von denen Sie manche auch selbst ausprobieren können. Lassen Sie sich überraschen. Vielleicht leiden Sie ja gar nicht an einer starken Regelblutung. Doch viele Frauen tun es. Und so können Sie sicher Punkte bei Ihren Freundinnen und Bekannten sammeln, wenn Sie denen die Tipps weitergeben, die Sie hier gleich lesen werden.

Vitamin E

Natürliche Kraft gegen Regelprobleme

Ja, ein Vitamin kann die Regelblutung vermindern. Eine iranische Studie an über 300 Frauen hat gezeigt, dass dich mit Vitamin E nicht nur die Schmerzhaftigkeit der Periode, sondern auch die Blutungsstärke vermindern lässt.

Nehmen Sie ab ca. 2 Tage vor der zu erwartenden Regelblutung 2 Kapseln mit je 200 Milligramm Vitamin E ein. Morgens und abends je eine. Nehmen Sie das Vitamin dann bis zum dritten Tag der Regelblutung ein. Vitamin E gibt es inzwischen übrigens schon bei Aldi und Drogeriemarkt Müller.

Vitamin E vermindert Entzündungsvorgänge im Körper – und damit auch in der Gebärmutter. Und diese Entzündungen sind es unter anderem, die zu starkem Blutverlust führen können. Das Problem bei der Behandlung mit Vitamin E liegt darin, dass es bereits VOR der Regelblutung eingenommen werden muss, um zu wirken. Und die Wirkung ist auch erst nach drei bis vier Zyklen richtig ausgeprägt. Setzt man einen Zyklus dazwischen aus, geht ein Teil der Wirkung bereits wieder verloren. Vitamin E ist damit also nur etwas für sehr akkurate Frauen mit einigermaßen regelmäßigem Zyklus.

Naproxen

Entzündungshemmung in der Gebärmutter

Rezeptfrei erhalten Sie in der Apotheke den Wirkstoff Naproxen (zum Beispiel im Präparat Dolormin für Frauen). Naproxen vermindert genau wie Vitamin E Entzündungsreaktionen im Körper – und damit häufig auch die Entzündung, die an einer überstarken Regelblutung beteiligt ist. Auch Naproxen wirkt am besten, wenn man es bereits ab dem Tag vor der Regelblutung einnimmt. Doch auch bei voll ausgeprägter Blutung kann es im Gegensatz zu Vitamin E noch helfen. Damit eignet sich Naproxen also besser als Vitamin E für vergessliche Frauen oder solche mit ziemlich unregelmäßigen Zyklen.

Nehmen Sie zweimal 250 Milligramm Naproxen für zwei bis drei Tage ein, also morgens und abends je 250 Milligramm. Häufig lässt sich die Blutungsstärke dadurch deutlich vermindern. Sollte das nicht funktionieren, können Sie im nächsten Monat auf die Einnahme von zweimal 500 Milligramm erhöhen. Mögliche Nebenwirkungen von Naproxen sind hauptsächlich Magenschmerzen, die aber meist nur dann auftreten, wenn jemand bereits eine Magenschleimhautentzündung hat. Sehr selten sind Allergien.

Natürliches Gelbkörperhormon

das blutungsvermindernde Hormon

Neben der schon beschriebenen Entzündungsreaktion der Gebärmutter können auch die weiblichen Hormone schuld an überstarken Regelblutungen sein. In Stresssituationen – und die gehören heutzutage ganz „normal zu unserem Alltag – schütten die Eierstöcke aus unerfindlichen Gründen mehr des Hormons Estradiol aus, das die Schleimhaut in der Gebärmutter aufbaut. Und je stärker der Aufbau war, desto stärker muss auch der Abbau (= die Regelblutung) sein. Hinzu kommt noch, dass unter Stress weniger Gelbkörperhormon Progesteron produziert wird. Das ist schlecht, denn Progesteron würde den Aufbau von zu viel Schleimhaut hemmen. Es ist nämlich der Gegenspieler von Estradiol.

Manchen Frauen hilft es, wenn sie Progesteron ab dem 12. Zyklustag einnehmen, damit der Körper außer dem selbst produzierten Hormon noch etwas mehr Gelbkörperhormon zur Verfügung hat. Die Blutung wird durch die Einnahme von Progesteron fast immer vermindert. Die Nachteile von Progesteron sind, dass es in jedem Zyklus über ca. 14 Tage regelmäßig eingenommen werden muss und einzelne Frauen klagen über psychische Nebenwirkungen wie schlechte Laune während der Einnahme.

Die Antibabypille

halbiert die Regelblutung

Auch die „Pille“ kann Regelblutungen vermindern. Viele Frauen denken, die Antibabypille sei eine Art „Hormonbombe“, die den körpereigenen Hormonhaushalt unterdrückt. Dass sie den Hormonhaushalt verändert, stimmt zwar, doch eine Hormonbombe ist sie nicht. Im Gegenteil: Die „Pille“ enthält weniger Hormone, als der Körper selbst produzieren würde. Weniger Hormone bedeuten aber auch: Weniger Schleimhautaufbau. Und ein geringerer Schleimhautaufbau führt zu einer geringeren Regelblutung.

Damit ist die „Pille“ also eine weitere Möglichkeit, eine überstarke Regelblutung zu normalisieren. Meist unproblematisch ist die „Pille“ bei Frauenmit niedrigem Thromboserisiko, also Frauen unter 35, die weder unter Übergewicht noch unter Krampfadern leiden, nicht rauchen und keine nahen Verwandten haben, die im Alter unter 60 Jahren einen Schlaganfall erlitten haben.

Die „Pille“ hat zwar nur wenig ernsthafte Nebenwirkungen, doch Thrombose, also das plötzliche und unerwartete Verstopfen eines Blutgefäßes, ist eine davon. Und Frauen, auf die eine der eben genannten Eigenschaften zutrifft, sollten auf die Pille eher verzichten. Nachdem wirklich problematisch starke Regelblutungen allerdings meist erst nach dem 35. Lebensjahr auftreten, ist die „Pille“ als Therapie ohnehin nicht ideal.

Wenn Sie übrigens über 35 Jahre alt sind und die „Pille“ noch nehmen, besteht nicht unbedingt ein Grund, sie aufgrund des Thromboserisikos gleich wegzulassen. Dieses Risiko ist nämlich in den ersten Monaten der Einnahme am größten und sinkt dann stark. Dennoch: Ab 35 gibt es häufig bessere Verhütungsalternativen als die Pille.

Die Hormonspirale

starke Verhütung und starker Blutungsschutz

Die Hormonspirale (Handelsname: Mirena) ist meiner Meinung nach nicht nur eines der besten und sichersten Verhütungsmittel, sondern eine oft sehr wirksame Therapie gegen überstarke Regelblutungen.

Die Hormonspirale enthält weniger Hormon, als der Name vermuten lässt. Sie besteht aus einem kleinen in der Gebärmutter gelegenem Stäbchen, das fünf Jahre lang ganz niedrig dosiert ein Hormon in die Gebärmutter hinein abgibt. Dieses Hormon (Levonorgestrel) baut nach und nach die Gebärmutterschleimhaut ab, ohne wesentlich in den normalen Hormonhaushalt des Körpers einzugreifen. Die erfreuliche Folge: Nach zunächst einigen Wochen mit unregelmäßigen Blutungen hören die Regelblutungen oft komplett auf oder werden zumindest stark reduziert. Ernsthafte Nebenwirkungen habe ich in zehn Jahren Praxis bisher noch nicht erlebt.

Die Hormonspirale schützt auf der anderen Seite vor vielen Gebärmutterkrankheiten, angefangen bei Entzündungen, über Myome bis hin zu Gebärmutterkrebs.

Die Hormonspirale ist in unserer Praxis innerhalb von 10 Minuten eingelegt. Ihre drei Hauptvorteile sind der geringe Zeitaufwand, die meist sehr gute Wirkung bei wenigen Nebenwirkungen und die lange Liegedauer. Die Hormonspirale wirkt nämlich für lange fünf Jahre.

Endometrium-Ablation

Schleimhaut weg – Blutung beendet

Alle bisher besprochenen Methoden waren „konservativ“, also ohne Operation. Falls die bisher besprochenen Methoden nicht helfen oder nicht möglich oder erwünscht sind, gibt es vor der völligen Entfernung der Gebärmutter eine sehr interessante Operationsmöglichkeit, um die Regelblutungen stark zu vermindern oder in vielen Fällen sogar komplett zu unterbinden: Die Endometrium-Ablation.

Bei dieser Methode wird nur der Teil der Gebärmutter behandelt, der für die Blutungen verantwortlich ist: Die Schleimhaut -oder Endometrium, wie der Fachausdruck lautet. Durch den Einfluss der weiblichen Hormone wird die Schleimhaut jeden Monat aufgebaut. Im Fall einer Schwangerschaft nistet sich die befruchtete Eizelle in diese Schleimhaut ein. Tritt keine Schwangerschaft ein, so wird das Endometrium am Ende des Monats abgestoßen – die Regelblutung setzt ein. Und je mehr Schleimhaut aufgebaut wurde, desto mehr muss abgestoßen werden.

Es wird allerdings nicht die komplette Schleimhaut abgestoßen, sondern nur ca. 90% davon. Ein letzter Rest bleibt in der Gebärmutter. Und aus diesem Rest – der Basalschicht – bildet sich im nächsten Monat die neue Schleimhaut. Könnte man nun auch noch diesen letzten Rest der Schleimhaut entfernen, so wäre das Problem der Regelblutung ein für allemal beseitigt. Und genau das geschieht bei der Endometrium-Ablation.

Da die Gebärmutter darüber hinaus aber nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Operationsrisiko gering. Andere Organe können praktisch nicht verletzt werden. Und aufgrund des geringen Umfangs des Eingriffs kommt man auch mit meist nur zwei bis drei Tagen Aufenthalt im Krankenhaus aus.

Das Ergebnis der Operation ist meist gut: Die meisten Frauen berichten nach ein bis zwei Monaten über ganz ausbleibende oder nur noch sehr gering vorhandene Regelblutungen. Problem erledigt.

Ein breites Spektrum an Möglichkeiten

Wie Sie gesehen haben, gibt es heutzutage eine ganze Reihe an Möglichkeiten, eine überstarke Regelblutung zu behandeln, ohne gleich die Gebärmutter zu entfernen oder den Körper mit einer Hochdosis an Hormonen zu überschütten. Selbstverständlich sind wir für Sie auch weiterhin ständig auf der Suche nach schonenden Behandlungsmethoden, so dass Sie immer von unserem aktuellen Wissen profitieren können. Dank dem Internet lassen sich Recherchen heute leicht durchführen und wir gehen jedem Hinweis nach – der teilweise auch von Ihnen als Patientinnen kommt. Deshalb sind wir auch immer für Ihre Tipps dankbar!

Soviel für heute.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit